Altes Feuerwehrhaus, Bruchsal

Think BIG!

Eine gute, ja vorbildliche Sache ist er allemal, der Wettbewerb um die Folgenutzung des Synagogenplatzes in Bruchsal. Die Entwürfe, die vergangene Woche auf der Vernissage im Bruchsaler Rathaus präsentiert wurden und der Öffentlichkeit dort weiterhin zugänglich sind, belegen dies ohne jeden Zweifel. Nicht nur die prämierten Vorschläge, sondern ausnahmslos alle eingereichten Arbeiten machen deutlich, wie ernst die Architektinnen und Architekten das Gedenken an die Geschichte des Ortes nahmen und wieviel Raum und Fokus sie den noch vorhandenen Fundamenten der Bruchsaler Synagoge in ihren Arbeiten einräumen. Keine Rede mithin von der vielfach beschworenen Bronze-Gedenktafel als Minimallösung des Bruchsaler Umgangs mit seiner Geschichte.

Soweit also alles gut? Ein Vorschlag, der über den rein architektonischen Umgang mit dem Areal hinausgeht, kam bei der Präsentation definitiv zu kurz: Das Haus der Geschichte badischer Juden, das von der Idee in geradezu idealer Weise die Historie des Areals mit unserer Gegenwart verbinden könnte mit einer Strahlkraft weit über Bruchsal hinaus. Die israelitische Kultusgemeinde Baden und ihr Vorsitzender, Rami Suliman, hatten die Idee nach Bruchsal gebracht und immer wieder ihre Unterstützung signalisiert und es bleibt völlig unverständlich, wie wenig Gegenliebe die Jury für ein solches Projekt mit seinen riesigen Möglichkeiten für Bruchsal zeigt. Ein Haus der Geschichte badischer Juden als Lern- und Begegnungsort in Bruchsal hätte nicht nur das Potential dauerhaft Besucher in die Innenstadt zu bringen. Seine Lage am Südende der Bruchsaler Schlossachse wäre hierfür in geradezu idealer Weise geeignet. Es wäre darüber hinaus ein klares Statement unserer Stadt in Zeiten eines wiedererwachten Antisemitismus, nach Halle und den Wahlergebnissen in Thüringen, der deutlich über die Lippenbekenntnisse wohlfeiler Stolpersteinverlegungen hinausginge.

Ob Bruchsal groß denken kann und diese einmalige Chance ergreift oder ob am Ende doch wieder historische Lethargie und kurzsichtiger Pragmatismus die Oberhand behalten, wird sich spätestens dann zeigen, wenn der Gemeinderat die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Synagogenareals trifft.

Foto © Christian Kretz: 3D-gedrucktes Modell der ehemaligen Bruchsaler Synagoge

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